Martin Kanz ist seit 26 Jahren bei der Forchbahn tätig. Er erklärt, welchen Hürden – respektive Barrieren – sich ein Fachspezialist Sicherungsanlagen in seinem Berufsalltag stellen muss und weshalb sein Job nicht ganz ungefährlich ist.
«Fachspezialist Sicherungsanlagen» hört sich erst einmal sehr kompliziert an, auch ein bisschen gefährlich, und eigentlich versteht man als Laie fast nur Bahnhof. Gutes Stichwort – denn genau dort, am Bahnhof Forch, trifft man Martin Kanz auch an, wenn er nicht gerade entlang der Strecke der Forchbahn Weichenantriebe austauscht oder Barrieren repariert. Dabei handelt es sich um regelmässige oder sporadische Wartungs- und Unterhaltungsarbeiten. Sprich, er muss bestehende Systeme und Gegenstände auf ihre Qualität überprüfen und Altes mit Neuem ersetzen, wenn dies erforderlich ist.
Diese Kontrollgänge der bestehenden Systeme sind Pflicht und werden vom Bund geprüft. Kein Wunder: Schliesslich stellen Weichen oder Barrieren, die nicht mehr zuverlässig funktionieren, eine grosse Gefahr für den ganzen Bahnverkehr dar. Aber auch für Kanz selbst ist die Arbeit nicht ganz ungefährlich, schliesslich muss er all diese Aufgaben bei laufendem Betrieb erledigen, und er ist dabei selbst für seine Sicherheit zuständig. Ist die Situation übersichtlich genug? Falls nicht, muss man eventuell die Strecke sperren? Lässt der Verkehr eine Sperrung überhaupt zu? Kommt demnächst ein Zug? Wenn keiner kommt, könnte gerade Fahrschule sein – die ja absichtlich nicht nach Fahrplan fährt. Tausend kleine Dinge, die Martin Kanz stets im Hinterkopf behalten muss.

«Magenta heisst: nicht gut!»
Gibt es eine Störung, läuft es, vereinfacht gesagt, so ab: Das gestörte System, zum Beispiel eine Barriere, meldet dem Stellwerk «gestört». Das Stellwerk gibt die Information erstens via Zugsicherung an die betroffenen Züge, zweitens mittels magentafarbenen Markierungen an das Leitsystem Iltis in der Zugleitstelle weiter. «Magenta heisst: nicht gut!», erklärt Martin Kanz. Die Leitstelle informiert in der Folge Kanz, damit er sich um das Problem kümmern kann. Diese Störungen beschränken sich jedoch nicht auf die gewöhnlichen Bürozeiten, so kann es gut sein, dass Kanz oder einer seiner Kollegen auch mal nachts ausrücken müssen.

Kanz kennt die Forchbahn, seitdem er ein kleiner Junge war, da er in der Nähe aufgewachsen ist. Auch während seiner Lehre als «Elektro-Mech» bei der SBB war die Forchbahn omnipräsent – er nutzte sie täglich für den Weg nach Altstetten und wieder zurück. Wenn man dann in der Freizeit in der Blasmusik-Formation mit dem Betriebsleiter der Forchbahn musiziert, ist der Weg von der SBB zum Fachspezialisten Schienenfahrzeuge bei der Forchbahn nicht mehr weit und von der Arbeit nachhause kurz. Nach zehn Jahren im Depot bei den Fahrzeugen, inklusive Früh- und Spätschichten und Wochenendeinsätzen, wurde er schliesslich das, was er auch heute, nach 16 Jahren, immer noch ist – ein Fachspezialist Sicherheitsanlagen und seit rund 26 Jahren ein Forchbahn-Mitarbeiter.
Die Abwechslung macht’s aus
Die Abwechslung ist der Grund, weshalb er seinem Beruf so lange Zeit treu geblieben ist. Von der Arbeit am Computer bis zur körperlichen Arbeit ist alles dabei: Einerseits der Umgang mit dem alten, elektromechanischen Relaissystem und dem neuen reinelektronischen Stellwerk, andererseits anstrengende Aufgaben wie das Umgraben von Schotter und das Bohren von Löchern in den Beton.
«Mich fasziniert die Abwechslung von elektromechanischen und reinelektronischen Systemen, vom feinen Auslesen von Störungsdaten im Computer bis zum handlichen ‹Herumwürgen› im Schotter.»
Martin Kanz, Fachspezialist Sicherungsanlagen
«Auch einige lustige Momente gab es», sagt Martin Kanz schmunzelnd. Als ein Putzwagen die Gleise überquert habe und dessen Lenker das Bimmeln der Schranke aufgrund des Lärms der eigenen Maschine nicht gehört habe, sei der Putzwagen zwischen den Barrieren steckengeblieben. «Zum Glück war mein Chef zufällig gerade dort und konnte das Problem beheben», sagt Kanz und lacht. Zur Pensionierung schenkte das Team des Gemeinde-Mitarbeiters diesem zur Erinnerung ans Steckenbleiben ein Stück Bahnschranke, welches Kanz gerne zur Verfügung stellte.
Musik als Ausgleich
Repariert Kanz nicht gerade Barrieren oder behebt Störungen, damit die Forchbahn weiterhin pünklich und sicher verkehren kann, dann lässt er Dampf ab – indem er in sein Euphonium bläst. Umgangssprachlich nennt man es auch Tenorhorn oder, wie Kanz lachend erklärt: «Eigentlich ein Haufen Blech, den man wie einen Teddybären hält.» Die Liebe zum Musizieren liegt der ganzen Familie im Blut: Auch die Kinder seien mit Leidenschaft bei der Musik dabei. Und seine Frau spiele so viele Instrumente, «dass sie beim Üben öfter das Instrument als das Stück wechselt», so Kanz.
